Mittwoch, 23. August 2017

Gauck Vereidigung und seine komplette Antrittsrede vorm Deutschen Bundestag
Foto Quelle: N24

Gauck Vereidigung und seine komplette Antrittsrede vorm Deutschen Bundestag

Story Höhepunkte

Morgens halb 10 in Deutschland:
Der neue Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Vereidigung und anschließenden Antrittsrede.

Am Freitagmorgen wurde der neue Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Joachim Gauck, wie seine zehn Vorgänger, im Deutschen Bundestag vereidigt. Eine Prozedur die selbst sehr kurz ausfällt und nur wenige Minuten dauert. Angesichts dieser Tatsache und der Erinnerung an seinen unmittelbaren Vorgänger Christian Wulff, kann man nur hoffen und uns allen wünschen, dass der neue Bundespräsident länger im Amt bleibt und die hohen Erwartungen die nun an ihn gestellt werden, zur Zufriedenheit der deutschen Bevölkerung erfüllt.

Joachim Gauck – Kurzer Rückblick

Joachim Gauck wurde am 24. Januar 1940 in Rostock, als Sohn des Seemanns und Kapitäns Joachim Gauck und der gelernten Bürofachkraft Olga Gauck, geboren. Seine Kindheit und Jugend verlebt er in der damaligen DDR (Deutsche Demokratische Republik), wo er später auch sein Abitur und von 1958 bis 1965 ein Theologie-Studium in Rostock absolviert. Nach seinem Studium tritt er in den Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg und ist dort als Pastor und später auch als Jugendpfarrer tätig.

Als Ende der Achtziger der Unmut der DDR-Bevölkerung mit dem DDR Regime unter der Führung der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschland) steigt, gehört Joachim Gauck zu den Mitinitiatoren des öffentlichen und kirchlichen Widerstandes und leitet unter anderem die wöchentlichen Friedensgebete aus denen kurz darauf die bekannten Montags-Demonstrationen hervorgingen. Joachim Gauck zählt in dieser Zeit auch zu den Mitbegründern der Bürgerbewegung „Neues Forum“ in Rostock und wird deren Sprecher.

Im März 1990 wird Joachim Gauck als Abgeordneter des Neuen Forum / Bündnis 90 in die Volkskammer der DDR gewählt und übernimmt dort den Vorsitz des Parlamentarischen Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Zwei Mal, von 1991 bis 2000, wird Joachim Gauck als Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR gewählt und gibt der damit beauftragten „Gauck Behörde“ maßgeblich seinen Namen.

Nach einem kurzen Ausflug in die TV-Medien, Gauck moderiert 2001 im WDR die Talkrunde „Gauck trifft …“, wird er von 2001 bis 2004 Mitglied des Verwaltungsrates der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Wien. Seit 2003 ist Joachim Gauck ausserdem Vorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“.

2010, als der damalige amtierende Bundespräsident Horst Köhler von seinem Amt zurücktrat, wurde Joachim Gauck schon einmal zum Kanditaten für das Amt des Bundespräsidenten nominiert. Damals unterlag er im dritten Wahlgang dem Kanditaten der CDU/CSU/FDP Regierungskoalition, Christian Wulff. Die diesjährige, erneute Wahl konnte er mit großer Mehrheit für sich entscheiden.

Joachim Gauck ist seit 1959 verheiratet mit Gerhild „Hansi“ Gauck, mit der er vier Kinder hat, jedoch seit 1991 getrennt ist. Seine jetzige Lebensgefährtin und damit First Lady, ist die Journalistin Daniela Schadt.

Auszeichnungen und Ehrungen für Joachim Gauck

  • Theodor-Heuss-Medaille
  • Bundesverdienstkreuz Erster Klasse sowie Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
  • Hermann-Ehlers-Preis
  • Hannah-Arendt-Preis
  • Cicero-Rednerpreis und Dolf-Sternberger-Preis
  • Wartburg-Preis
  • Erich-Kästner-Preis
  • Geschwister-Scholl-Preis
  • Europäischer Menschenrechtspreis
  • Ludwig-Börne-Preis
  • Ehrendoktor der Universitäten Rostock, Jena und Augsburg.

Joachim Gaucks Rede zum Amtsantritt

Bundespräsident Joachim Gauck stellt gleich zu Beginn seiner Antrittsrede vorm Deutschen Bundestag eine ganze Menge Fragen in den Raum, wie zum Beispiel:
Wie soll es denn nun aussehen, dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel einmal sagen sollen „unser Land“?
Geht die Vereinzelung in diesem Land weiter?
Geht die Schere zwischen Arm und Reich weiter auf?
Verschlingt uns die Globalisierung?
Werden Menschen sich als Verlierer fühlen, wenn sie an den Rand der Gesellschaft geraten?
Schaffen ethnische oder religiöse Minderheiten in gewollter oder beklagter Isolation Gegenkulturen?
Hat die europäische Idee Bestand?
Droht im Nahen Osten ein neuer Krieg?
Kann ein verbrecherischer Fanatismus in Deutschland wie in anderen Teilen der Welt weiter friedliche Menschen bedrohen, einschüchtern und ermorden?

Im Verlauf seiner Rede erinnert er an die Generation der 68er, deren Verdienste und an Werte wie Freiheit und Gerechtigkeit. Eine insgesamt doch eindrucksvolle Rede, die auch die Mitglieder des Deutschen Bundestag immer wieder zu mehreren spontanen Zwischenovationen animiert.

Rede des Bundespräsidenten Joachim Gauck nach Vereidigung im Deutschen Bundestag (pdf)

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